Was ist ein Waldgarten?

EssgartenAls Waldgarten bezeichnen wir in unseren gemäßigten Breiten eine landwirtschaftliche Mischkultur, die aus drei Schichten besteht: Der Baumschicht, der Strauchschicht und der Krautschicht. Durch die Nutzung dieser drei Schichten können die unterschiedlichsten Tiere beherbergt werden, sowie eine Vielzahl an ertragreichen Pflanzen. Warum wir eine solch schöne Form der Landwirtschaft heute kaum mehr zu Gesicht bekommen, hat verschiedene Gründe. Zum einen wurden von der Europäischen Union bis in das Jahr 1975 Prämien bezahlt für die Fällung von Obsthochstämmen, zum anderen gab es schon im Mittelalter Bestrebungen, die Gehölzstruktur klein zu halten. Dazu kommt, dass ein Waldgarten nicht so einfach zu planen ist, wie eine Monokultur. Man muss die dynamischen Prozesse der Sukzession verstehen und viele Jahre in die Zukunft planen.  Wir wollen euch in unserem Blog-Artikel die wichtigsten Eckpunkte für die Gestaltung von Waldgärten mitgeben und euch zeigen, welche Vorteile Waldgärten für unsere Umwelt bieten können. 

Warum heißt es Waldgarten?

Du könntest annehmen, dass der Begriff des Waldgartens selbsterklärend ist. Aber wie stellen wir uns eigentlich einen Wald vor? Wenn du in unseren gemäßigten Breiten in einen Wald gehst, wirst du viele unterschiedliche Waldformen finden. Von Wald-Monokulturen, die nur aus Kiefern-Bäumen bestehen und wenig biologische Vielfalt anbieten, bis hin zu dichten, fast undurchdringbaren Wäldern, die unter Naturschutz stehen und nur auf gekennzeichneten Wegen zu betreten sind. 

Es gibt viele verschiedene Formen des Waldes. Aber ein Waldgarten ist eben kein Wald sondern eine am Wald orientierte Form der Bewirtschaftung. Er unterscheidet sich durch die Vielfalt von Wald-Monokulturen und durch die Ertragskomponente auch von Naturwäldern. Aber auch die Struktur ist anders. Denn in dichten Wäldern mit wenig Sonneneinwirkung wäre es auch nicht möglich drei Schichten zu nutzen, da sowohl Strauchschicht als auch die Krautschicht zu wenig Sonnenlicht für ein gutes Wachstum bekommen würden. In Wäldern gedeihen Beeren und andere Pflanzen eher an Lichtungen oder an Waldrändern. Diese Dynamik nutzen wir auch bei der Gestaltung von Waldgärten. Wir schaffen ein System, das licht genug ist, damit wir alle drei Schichten nutzen können. 

Wie gestalte ich einen Waldgarten?

Bevor du mit der Planung deines Waldgartens beginnst, solltest du ein gewisses Grundverständnis über die Zusammenhänge in der Natur haben. Vor allem solltest du das Prinzip der Sukzession kennen, verstehen und wissen, wie man sie nutzt. Falls du davon noch nicht gehört hast, kannst du an unserem kostenlosen Mini-Kurs Sukzession teilnehmen.

Waldgarten PlanIm Prinzip können wir unseren Waldgarten so aufbauen und gestalten, wie es auch die Natur geschehen lassen würde – nur dass wir dafür sorgen, dass wir eben auch einen Ertrag erzielen und entsprechend die Pflanzen passend zu den Entwicklungsstufen auswählen. Das Ergebnis dieser Planung ist dann keine festgelegte Plantage, sondern eine Abfolge unterschiedlichster Erträge im Laufe der Zeit: nach einjährigem Gemüse folgt mehrjähriges Gemüse und mehrjährige Früchte, dann schnelltragendes Beerenobst, gefolgt von schnelltragenden Obstbäumen bis zu langsamtragenden Obstbäumen bis zuletzt Großbäume. 

Wie funktioniert das jetzt in der Praxis? Nun, wenn Jungbäume gepflanzt werden, ist in den ersten Jahren natürlich sehr viel Sonnenlicht vorhanden. Diese Zeit kannst du zum Beispiel gut nutzen, um einjähriges Gemüse anzubauen. Du solltest jedoch auf Wurzelgemüse, wie Kartoffeln, verzichten, da du in der Nähe der frisch gepflanzten Bäume natürlich nicht umgraben solltest. Nach einiger Zeit wird die Fläche durch das Wachsen der Bäume schattiger, woraufhin du von Gemüse auf schnelltragende Beerensorten wechselst. Diese Beerensorten, wie Himbeeren oder Johannisbeeren, werden in kurzer Zeit in den Folgejahren interessante Erträge bringen. Da die Fläche noch wenig verschattet ist, kannst du im Bereich der Bäume, wo die Beeren nicht so dicht stehen auch essbare Stauden, wie Grünspargel, Wald-Erdbeere oder Taubnessel mit integrieren. Wenn die Bäume größer werden und mit zunehmender Verschattung der Fläche kannst für die Spätphase des Waldgartens auch Großbäume ins System mit integrieren wie die Waldnuss, die Esskastanie oder die Sommer-Linde.

Diese Beschreibung ist natürlich stark vereinfacht und soll dir lediglich ein Verständnis für die Dynamik eines Waldgartens vermitteln. Prinzipiell gibt es hier keinen Master Plan der dir vorgibt, wie du deinen Waldgarten gestalten sollst. Dafür gibt es viel zu viele Faktoren die bei der Erstellung des Designs berücksichtigt werden müssen. 

Faktoren für die Gestaltung

Bevor du mit der Gestaltung deines Waldgartens startest, solltest du vorbereitende Überlegungen und Entscheidungen treffen. Zum Beispiel solltest du dich entscheiden, ob du mit deinem Waldgartensystem Geld verdienen möchtest und damit als Wirtschaftssystem anlegst oder ob du ihn lediglich für den privaten Gebrauch nutzen möchtest. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit Waldgärten für die Öffentlichkeit anzulegen, wenn du zum Beispiel ein Garten-Café eröffnen möchtest. 

Außerdem können auch rechtliche Aspekte die Planung eines Waldgartens stark beeinflussen. Etwa 45% der Flächen in Deutschland unterliegen bestimmten Naturschutzvorgaben oder Nutzungseinschränkungen. So kann aus einem Wald, rechtlich gesehen, kein Waldgarten gestaltet werden oder eine Wiese nicht in ein Waldgarten System umgewandelt werden. Um festzustellen, ob du auf deiner Fläche einen Waldgarten anlegen darfst, solltest du dich vorher über die Flächenwidmung deiner Fläche erkundigen und im Zweifel bei der zuständigen Fachbehörde nachfragen. 

Lage und Boden – auch diese beiden Faktoren spielen bei der Gestaltung eine große Rolle. Steile Hänge bieten für die Gestaltung eines Waldgartens besonders große Hürden, da du entsprechend darauf achten musst, dass die Wasserversorgung für die Wurzeln auf der steilen Fläche sicher gestellt ist. Bei der Pflanzenauswahl solltest du dich vergewissern, mit welchem Boden du es zu tun hast. Bei sandigen Böden wird die Pflanzenauswahl sich deutlich von der von Lehmböden unterscheiden.

Wind und Wasser – Für die Gestaltung deines Waldgartens sind auch die Wind- und die Wasserkomponente wichtig. Windschutz kann zum Beispiel in einer eher wenig bewachsenen Landschaft eine sehr entscheidende Rolle spielen. Eine nicht zu vernachlässigende Komponente zu Beginn des Waldgartens ist das Bewässern. Wichtig zu beachten ist hier, dass du die Pflanzen nicht zu sehr verwöhnst. Wenn du zu viel gießt, kann es passieren, dass die Bäume nicht tief genug wurzeln und damit nicht in der Lage sind, sich selbst mit Wasser zu versorgen und größere Dürreperioden zu überstehen. Zum anderen solltest du aber natürlich die Pflanzen auch vor dem Vertrocknen bewahren, was an deren Blättern gut zu sehen ist.

Ich habe nur einen kleinen Garten, macht da ein Waldgarten überhaupt Sinn?

Ja! Man kann auch auf kleinster Fläche einen Waldgarten gestalten. Natürlich solltest du dir dann darüber bewusst sein, dass auf einer kleinen Fläche kein Wirtschaftssystem angelegt werden kann. Aber für die private Nutzung reicht auch eine Fläche von zum Beispiel 400 Quadratmetern aus, um einen wundervollen, kleinen Waldgarten anzulegen. Hier gibt es auch ein Video, dass die Gestaltung eines solchen, kleinen Waldgartens zeigt: Waldgarten auf 400 qm.

Weitere Informationen

Wenn du dich noch mehr für das Thema Waldgarten interessierst, nimm an unserem kostenlosen Mini-Kurs Waldgarten teil. Dich hat die Lust zur Gestaltung deines eigenen Waldgartens gepackt? Dann belege unseren Waldgarten Praxiskurs oder hol dir das Waldgarten Praxisbuch von Volker Kranz und Frits Deemter bestellen. Außerdem kannst du dir auf unseren Blog den Erfahrungsbericht von Karl Hamann durchlesen, der bereits selbst einen Waldgarten gestaltet und umgesetzt hat. 

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Wolfgang Reuter

Wolfgang Reuter ist Co-Gründer von PermaStart und einer unserer Dozenten in unseren Online Permakultur Kursen.

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